Tag 42: Good Bye Yosemite National Park

2018-06-29: Campsite → Seaway Pass → wilma lake → Dorothy Lake Pass → Campsite


Gesch├Ątzte Strecke: 26 Meilen

Bevor ich mich gestern Nacht an's Tagebuch schreiben gemacht hatte, naehte ich noch schnell die Tasche meiner Hose. Also eigentlich die Tasche von der Hose meines Vaters. Die Hose selbst gibt allmaehlich wirklich den Geist auf. Alle moeglichen Naehte reissen und ich kann nichts wirklich dagegen tun ausser die Hose improvisorisch zu naehen.

In der Nacht gegen 2 Uhr wachte ich auch auf als ich draussen irgendein Tier hoerte wie es um die Zelte schlendert. Immer ein paar Schritte und dann blieb es stehen. Das war aber kein Baer, sondern eines der Rehe. Das erkannte ich an den Schritten. Ein Baer wuerde auch mehr schnueffeln.... vermute ich zumindest. So ganz sicher bin ich mir nicht.

Das Morgenprozedere war wie ueblich. Als Fruehstueck gab es aber gleich erst mal 2 Packungen von dem Haferflockenzeug, sonst werde ich nicht satt. Um 6:40 Uhr ging's dann auch schon los.

Nun standen mir erst mal 400 HM Aufstieg bevor die ich schnell erledigt hatte. Als ich durch eine Engstelle ging, erblickte ich auf einmal den See vor mir. Das hatte einen ganz schoenen Aha-Effekt. Nun noch schnell ueber den Seavey Pass und dann erfolgte der Abstieg entlang eines Tals in Flussnaehe. Der Wanderweg selbst fuehrte immer mal wieder etwas aufwaerts um heikle Stellen zu umgehen, aber insgesamt 300 HM abwaerts.

Dann erfolgte noch die Querung von dem Fluss und schon um ca. 10 Uhr beschloss ich etwas zu essen. Diese Udon Nudeln von gestern haben einfach nicht ausgereicht. Da wird ein Wanderer einfach nicht satt. So setzte ich mich hin und machte mich an's Essen. Heute gab es Tortilla Wrap mit einer Packung Tuna und .... Kaese! Ja, Kaese. Im Magen kommt ja sowieso alles zusammen und geschmacklich war es ja auch nicht so schlecht. Gerade bekomme ich beim Schreiben auch schon wieder Hunger.

Nun stand er naechste Aufstieg von 250 HM bevor. Der Seaway Pass selbst war relativ unspektakulaer. Da gab's nicht viel zu sehen. Ich machte nicht mal ein Foto. Dann erfolgte noch ein Abstieg von 350 HM. Hier geht's heute wieder mal auf und ab! Zwischendrin machte ich noch eine Pause um mein verdautes Essen wieder loszuwerden. Ich fand auch wieder so einen schoenen Baumstamm zum anlehnen. Wie angenehm!

Unten angekommen gab es den naechsten Fluss zu queren. Dieses mal mit Sandalen, da es keine andere Moeglichkeit gab. Und schon wieder ein Aufstieg! Dieses mal ca. 450 HM wobei die ersten 100 HM richtig knackig waren. Am Anfang von dem Tag spuehrte ich auch noch meine Knie und Hueften ganz deutlich aber nun ist es wieder besser. Was aber immer schlimmer und schlimmer wird, desto laenger ich am Tag laufe ist das Gewicht vom Rucksack auf die Schultern. Diese ziehen schon sehr stark. Das ist ein Ziehen, was sogar schon teilweise in einen Schmerz uebergeht.

Den Aufstieg zog ich einfach schnell durch. Nach dem Essen fuehlte ich mich auch voller Energie. Der Pass selbst war wieder mal enttaeuschend, aber ich sah, dass die Berge dahinter allgemein etwas flacher werden. Zumindest hatte ich den Eindruck. Ich sehe auch wieder mehr Buesche und es fuehlte sich auch wieder waermer an. Na hoffentlich bin ich zumindest noch fuer einige Zeit von der Wueste ein gutes Stueck entfernt!

Der Abstieg fuehrte auch unten am Wilma Lake vorbei und nun stand mir schon wieder eine Flussquerung bevor. Wieder mal musst ich zu den Sandalen wechseln. Auf der anderen Seite machte ich erneut eine kleine Pause. Essenszeit! Dieses mal gab es nur einen halben Tortilla Wrap mit Kaese und Salami. Ich muss mir unbedingt das Essen gut einteilen. Der Proviant muss noch fuer 4 weitere Tage ausreichen, aber ich bin da sehr zuversichtlich.

Bei der Kreuzung von dem Fluss stellte ich mir auch die Frage, ob das evtl. der letzte Fluss ist, den ich nun in Sandalen kreuzen werde oder wann das der Fall sein wird. Die kommenden Wochen duerften naemlich wieder deutlich trockener werden. In 4 Tagen komme ich auch bei Lake Tahoe vorbei den ich schon vom Skifahren letztes Jahr kenne.

Ich hatte keine Zeit zu verlieren. Noch standen mir mind. 9 Meilen bevor. Um 14:30 Uhr ging's dann weiter, evtl. laufe ich auch noch weiter. Die nun bevorstehenden 9 Meilen verliefen entlang eines Flusses und ganz langsam zog sich der Weg 300 HM hoch. Mann, ist das langweilig! Ich machte mir auch Gedanken ueber die Schmerzen in meinen Fuessen. Diese tun naemlich doch hier und da weh, insbesondere, wenn ich so lange Strecken wie gestern laufe. Das spuere ich dann schon am naechsten Tag. Aber allgemein machen die gezielten Pausen einen deutlichen Unterschied. Damit kann ich auch mit meinem Knick-Senk-Spreiz-und-sonst-was-Fuss bis nach Kanada laufen, hoffentlich!

Als ich ein Meadow entlang lief konnte ich in der Ferne auch dichte Wolken sehen! Unglaublich! Das ist wohl das erste mal, dass ich das auf dem PCT zu sehen bekomme. Vllt. regnet es auch noch? ;-)

Dieser langsame Aufstieg hatte irgendwie viel gemeinsam mit dem Anfang von Yosemite Park. Als ich in den Park lief, hatte ich einen ganz leichten Abstieg mit sehr vielen Meilen nach Tuolumne Meadows zu bewaeltigen. Und jetzt das gleiche mit Aufstieg um Yosemite Park zu verlassen. Das Ende war naemlich schon in Sicht, meinte ich jedenfalls... Doch es stellte sich als falscher Pass heraus. Dahinter war nochmal einer versteckt. Allgemein zogen sich diese 9 Meilen auch wie eine Ewigkeit hin. Aber immerhin ging's damit zuegig in Richtung Norden. Wieder mal dachte ich oft daran, dass ich bisher nicht einmal die Haelfte geschafft hatte... wie enttaeuschend.

Oben war noch ein etwas groesserer See und die 9 Meilen waren geschafft. Hier her wollte ich es unbedingt heute schaffen, aber mit 18 Uhr war es noch zu Frueh um fuer heute aufzuhoeren. So konnte ich die kommenden 4 Tage gut entschaerfen. Der Pass und damit das Ende von Yosemite Park war sehr schnell erreicht und danach aenderte sich die Landschaft schlagartig. Auf einmal war alles von Felsen durchsetzt, es tat sich ein unwegiger Bereich des PCT auf. Hier und dort gab es kleinere Seen und der Weg schlaengelte etwas herunter.

An einer schoenen Stelle mit Ausblick und neben einem kleinen rauschenden Fluss entschied ich mich dann zu bleiben. Es war noch vor 7 Uhr und die Sonne war daran hinter einem Berg unterzugehen. Ich machte mich daran, Wasser fuer morgen in die Trinkblase zu filtern und dann gab's eine Schokomilch. Gleichzeitig kochte ich auch Wasser. Mehr und mehr Muecken kamen und ich machte wieder regen Gebrauch von dem Mueckenspray. Zum Essen gab es Nissan Noodles mit einer halben Packung Kartoffelbrei. Ich moechte hier nochmal erwaehnen, dass ich das alles in den Hikerboxen gefunden habe :-). Ein bisschen Schokolade gab es auch noch zum aufmuntern. Soviel war das naemlich nicht zum Essen.

Dann baute ich noch mein Zelt auf und Abends gruebelte ich darueber nach, was mir Sarah geschrieben hat. War da nicht etwas in der Nachricht, dass sie mir ein Paket nach Yosemite geschickt hat? Ja.... Verdammt! Da waere soviel leckeres Zeug drin gewesen und ich haette nicht in dem Laden am Pass einkaufen muessen. Tja, jetzt ist es zu spaet. Aber vllt. kann man das Paket noch wo anders hin umleiten. Das werde ich die kommenden Tage feststellen.

Ich konnte ja schon mal nicht einschlafen, weil der Fluss neben mir so laut war. Heute probiere ich mal Ohrenstoepsel. Wenn ein Baer kommt, dann hoere ich ihn wenigstens nicht ;-)