Tag 27: Warum bin ich nur so kaputt?

2018-06-14: Campsite → Campsite


gesch├Ątzte Strecke 17 + 13 Meilen

Die Nacht schlief ich tief und fest ein. Der Wind wehte ueber das Blaetterdach und liess mein Zelt einigermassen in Ruhe was auch gut war, da ich die Heringe nicht richtig befestigte. Bereits vor 5 Uhr oder noch frueher stand ich auf. Heute stand wieder einiges auf dem Plan. Zaehne putzen wurde wg. Wassermangel wieder ausgelassen und um 5.45 ging es dann gleich los.

Ein paar Minuten nachdem ich den PCT weiter wanderte waren da auch ein Paerchen beim Cowboycamping. Nur haben die nicht nur im Freien geschlafen sondern tatsaechlich auch miteinander geschlafen! Jawoll! Da geht was! Die hatten immerhin den Anstand noch einen Schlafsack ueber sich zu legen.

Der Weg verlief erst mal leicht abfallend und dann auf gleicher Hoehe meist unter einem Blaetterdach. Das war aber in der Frueh noch gar nicht noetig. Wieder mal schlaengelte sich der Weg an den Bergen entlang und ich kam schnell voran. Hier campten auch noch andere Wanderer die aber noch nicht aus den Federn gekommen sind. Dann kam noch eine ausgewaschene Schotterstrasse der ich ca. 2 Meilen lang folgen musste.

Als ich so vor mir herum wanderte hatte kam mir der Gedanke, dass meine Fressbox mehr Muelleimer als Fressbox ist. Sozusagen bin ich hier ein herumlaufender Muelleimer.

Die Abzweigung zum PCT nahm ich aber nicht, sondern lief noch 5 Minuten weiter um zu McIvers Huette zu kommen. Diese Huette war einfach offen und jeder konnte in diese rein. Genauso schaute die Huette auch aus: Von oben bis unten zu gemuellt. Vor der Huette stand ein Grill und auch ein paar Stuehle herum. Es gab hier auch eine Quelle von der bekannt war, dass diese nach Sulfur schmecken sollte. Ich wusch mal meine Haende darin und als ich an diesen roch, grauste es mir gewaltig. Mann, ist das abartig! Dann machte ich noch 25 Minuten Pause. Ich hatte ja genug zu Essen mit dabei, so verputzte ich eine kleine Dose Streichwurst. Die anderen Brezelpackung hat Brezeln die auch noch gross genug waren um darin zu dippen. So schmeckte das gleich viel besser. Das Wasser aber musste ich mir noch einteilen. Ich hatte nur 3 Liter + 1/2 Ersatzliter was aber locker ausreichen sollte. Genau wegen dieser kleinen Pause und den schattigen Sitzmoeglichkeiten wollte ich auch zu der Huette.

Als ich wieder zurueck beim PCT war sah ich auch den Schweizer welchen ich vorher ueberholt hatte. Dieser sass auf einem grossen Stein (So gross wie ein kleiner Omnibus) und blickte zurueck in die Ferne. Ja, wir haben wirklich vieles bisher geschafft. Ein paar Minuten spaeter konnte ich vorwaerts in die Ferne schauen. Ich sah alpinere Gebirge und oft Waelder und *klapper*, *klapper*, fuck, was ist das? Eine verfluchte Klapperschlange direkt auf dem Weg. In diese waere ich wohl rein gelaufen wenn diese mich nicht gewarnt haette. Statt mich wie ueblich aggressiv anzugehen verzupfte diese sich aber schnell. Das ist ja nochmal gut gegangen und das koennte auch die letzte Klapperschlange fuer das kommende Monat gewesen sein. Wenn ich mir so ueberlegen wie viele Schlangen ich auf dem Weg gesehen habe, dann stellt sich mir die Frage wie viele Schlangen auf einem Quadratkilometer sein muessen. Sicherlich sehr sehr viele. Was fuer eine grauenhafte Vorstellung.

Nach ein kleines bisschen Aufstieg bin ich auch auf dem Pass oben angekommen und sah nun, was mich tatsaechlich als naechsten Aufstieg erwartet: Blanker Wanderweg ohne Baeume. Fuck!!! Ich dachte mir, dass ich das hinter mir haette. Aber ich rede mir immer noch ein, dass ab Kennedy Meadows alles besser werden wird.

Der Abstieg war schnell hinter mich gebracht und verlief wieder mal durch einen abgefackelten Wald. Um 11 Uhr, also einen Stunde frueher als erwartet, war ich dann endlich beim Wassercache angelangt wo auch schon andere Wanderer waren. Leider war die Trailmagic schon alle und nur noch eine halbe Cola uebrig die ich aber vorsichtshalber nicht anfasste. Jetzt war es aber erst mal Zeit fuer eine ausgiebige Pause. Ich machte mir auch eine ordentliche Portion Spaghetti. Den Rest der Spaghetti und die letzte Dose Tomatenmark liess ich aber auf dem Tisch liegen. Eine richtige Hikerbox gibt es hier nicht, aber vllt. findet daran noch jemand Gefallen. Einfach wegschmeissen moechte ich es nicht. Die Zaehne habe ich auch noch geputzt, da jetzt ja auch genug Wasser vorhanden war. Vllt. sollte ich es aber noch mehr wertschaetzen und damit keine Zaehne putzen? Hmmmm.... Dieser Trip hat meine Einstellung zu Wasser nochmals veraendert.

Ich versuche mich auch darin mich komplett zu rehydrieren. Das funktioniert so, dass ich soviel Wasser trinke, bis ich urinieren muss. Das sollte das richtige Zeichen dafuer sein, dass ich vollstaendig rehydriert bin. Da bin ich gerade dabei und mal schauen ob das so klappt. Der Grund dafuer ist, dass ich heute noch den 600 HM Anstieg schaffen welcher ohne Baeume ist. Die bisher gelaufenen 17 Meilen sind zwar OK, aber ich will noch unbedingt weiter.

Nun bin ich bei meinem Schlafplatz angekommen und schreibe weiter. Meine

Idee die Dehydrierung anhand der Wasserlassens zu bemessen hat leider nicht geklappt. Ich musste einfach nicht. So zog ich einfach so los.

Es war gerade 1 Uhr, als lief ich so richtig schoen in der Mittagshitze. Der Weg ging erst mal zum Pass hoch und dann ueber die Strasse. Nun war auch wirklich kein Baeumchen mehr zu sehen und der Weg stieg sehr steil an und zog sich um den Berg herum, dann ueber weitere Bergruecken. Mal wieder hatte ich das Gefuehl, mitten in der Wueste zu laufen, aber ich sah in der Ferne schon, dass der Weg bald wieder unter Baeumen verlaufen wird. Das half schon mal ein bisschen. Nach 2 Stunden schaute ich auf die Uhr und musste feststellen, dass ich nur 5 Meilen geschafft hatte. Das war richtig enttaeuschend, aber ich hatte ja auch mit der Hitze zu kaempfen und die 300 HM machen sich nicht von alleine. Jetzt erwarteten mich aber nochmals 300 HM und ich entschloss einfach an einem schattigen Plaetzchen erst mal zu pausieren. Eine ganze Stunde verbrachte ich dort und schaute mir die Wueste an. Diese befand sich naemlich jetzt schon wieder direkt neben diesem Berg. Na toll, werde ich diese nie mehr los?

Als es spaet genug war und ich davon ausgehen konnte, dass die Sonne sich hinter dem Berg verstecken wuerde, machte ich mich wieder an's Weiterwandern. In der Tat war das Wandern ohne Sonne richtig erfrischend und ich kam schnell voran. Vor mir sah ich dann auch einen Berg mit weissem Gestein. Vllt. werde ich jetzt endlich diesen Sanduntergrund los, allerdings wechselte der Weg nur ab und zu in Geroell. Da kann man sich jetzt heraussuchen was einem besser gefaellt. Geroell oder Sand.

Das spektakulaere an diesem letzten Teil des Aufstieges war, dass der Weg anscheinend direkt in den Stein geschlagen oder gesprengt wurde. Das verlieh ihm etwas ganz besonderes, also der Weg selbst, nicht das sprengen.

Den Pass hatte ich dann schneller erreicht als gedacht, aber das lag wohl alles an der niedrigen Temperatur. Jetzt hiess es schnell herunterlaufen. Die ganzen HM welche ich beim Aufstieg geschafft hatte, machte ich nun wieder kaputt. Nach einer Stunde gab es die Joshua Quelle, aber die liess ich links liegen, da ich noch genug Wasser mit dabei hatte, da diese abseits des Weges war und da der Urangehalt etwas erhoeht war. Ich moechte nicht, dass mein Urin im Dunklem leuchtet ;-).

Wie weit ich noch laufen werde stand noch nicht ganz fest. Als ich noch ein bisschen Aufstieg zum ersten Pass machte, sass da eine und begruesste mich. Kenne ich die? Es stellte sich heraus, dass es Sierra war. Ich checkte meinen Wasservorrat und stellte fest, dass ich noch genug hatte um hier zu zelten. Sierra habe ich vor langer Zeit kurz kennengelernt. Sie hat die letzte Harte Wuestenetappe uebersprungen wg. irgendeinem Familenzeug.

Ich stellte erst jetzt fest, dass ich total kaputt war. Von den 3 Liter Wasser verwende ich 2 um zu rehydrieren. Das Abendessen bestand aus Kartoffelbrei. Bei mir passt nicht viel rein und ich wollte nicht kochen.. Beim Essen von dem Kartoffelbrei viel mir auf, dass ich entgegengesetzt zum Sonnenuntergang gesessen bin und mich ueberhaupt nicht dafuer interessierte. Irgendwie fuehlte ich mich einfach Hunde elend. Beim Nachzaehlen der Meilen stellte ich fest, dass ich heute 13 Meilen gelaufen bin, also 30 Meilen insgesamt. Das erklaert einiges.